Wer war der erste Mensch auf der Welt? Die ehrliche Antwort hat zwei Teile

„Wer war der erste Mensch auf der Welt?" — Ich bekomme diese Frage erstaunlich oft, und jedes Mal merke ich, dass zwei völlig verschiedene Leute sie stellen. Die einen meinen den Mann, der als Erster die Erde verlassen hat. Die anderen meinen den allerersten Homo sapiens, also den Punkt, an dem aus Affen Menschen wurden. Beide haben recht — sie reden nur über verschiedene Dinge.

Und genau da liegt das Problem: Wer bei Google diese Frage eintippt, landet fast immer bei Juri Gagarin. Der war zweifellos der erste Mensch im Weltraum. Aber der erste Mensch auf der Welt? Das ist eine Frage der Paläontologie, keine der Raumfahrt. Ich nehme Sie in diesem Artikel mit durch beide Antworten — die kosmische und die evolutionäre.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der erste Mensch im Weltraum war Juri Gagarin, am 12. April 1961 — 108 Minuten, die die Welt veränderten.
  • Der erste Mensch auf dem Mond war Neil Armstrong, am 20. Juli 1969. Das ist eine andere Frage mit einer anderen Antwort.
  • Der erste Homo sapiens lässt sich nicht auf eine einzige Person festnageln — es war ein langsamer Übergang über Zehntausende von Jahren.
  • Die ältesten heute bekannten Fossilien unserer Art stammen aus Marokko und sind grob 300.000 Jahre alt.
  • Gagarin war nicht der erste lebende Organismus im All — ihm gingen Hunde voraus, und auch das ist Teil der Geschichte.

Juri Gagarin: der erste Mensch im Weltraum

12. April 1961, 9:07 Uhr Moskauer Zeit. Eine silberne Kugel hebt vom Kosmodrom Baikonur ab, und drinnen sitzt ein 27-jähriger Bauernsohn aus dem Dorf Kluschino. Sein Rufzeichen für diesen Flug: „Kedr" — Zeder. Darüber, wie er sich in diesen Minuten gefühlt hat, gibt es ein einziges authentisches Dokument: das Bordtonband. Darauf sagt er Sätze wie „Ich sehe die Erde, sie ist wunderschön" — und klingt dabei so ruhig, dass Bodenkontrollleute später behaupteten, sie hätten die Aufnahme zuerst für einen Test gehalten.

Juri Gagarin: der erste Mensch im Weltraum

Der Flug dauerte 108 Minuten, also eine Stunde und 48 Minuten. Ein einziger Umlauf um die Erde, in einer Höhe zwischen etwa 175 und 302 Kilometern, mit einer Geschwindigkeit von rund 27.000 Stundenkilometern.

Der Flug, der fast schiefging

Was in den Jubelmeldungen von damals unterging: Die Technik war ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen alles andere als ausgereift. Rund einen Monat vor Gagarins Start war eine unbemannte Testkapsel mit einer Puppe an Bord — intern „Iwan Iwanowitsch" getauft — bei der Rückkehr verglüht. Man wusste also, dass die Rückkehr der wackeligste Teil der ganzen Sache war.

Gagarin überlebte sie trotzdem. Allerdings nicht in der Kapsel: Er schoss sich in etwa sieben Kilometern Höhe mit dem Schleudersitz heraus und landete per Fallschirm auf einem Feld nahe der Stadt Engels, an der Wolga. Diese Details wurden jahrelang verschwiegen, weil die Regeln des internationalen Luftsportverbands verlangten, dass ein Pilot mit seinem Fluggerät landet. Hätte man zugegeben, dass Gagarin getrennt von der Kapsel ankam, wäre der Rekord nicht offiziell anerkannt worden.

Die Begegnung mit der Bäuerin und ihrer Enkelin

Die schönste Szene dieser Mission spielte sich auf einem Kartoffelacker ab. Gagarin, im orangefarbenen Druckanzug und mit dem Helm unterm Arm, klopfte an die Tür einer Frau namens Anna Tachtarowa. Sie und ihre Enkelin Rita waren so erschrocken, dass sie erst zurückschreckten. Als er erklärte, er sei vom Himmel gekommen, sagte Anna angeblich: „Dann müssen wir Ihnen ja etwas zu essen geben." Sie sollen zusammen Kartoffeln gegessen haben. Ich mag diese Geschichte, weil sie zeigt, wie absurd banal das größte Ereignis des Jahrhunderts in dem Moment war, in dem es auf dem Boden ankam.

Gagarin wurde über Nacht zur Symbolfigur der Sowjetunion. Und das blieb nicht ohne Nebenwirkung: Weil der Staat ihn als Aushängeschild brauchte, durfte er nie wieder fliegen. Bis zu seinem Tod hatte er einen Schreibtischjob und einen Ausstellungsauftrag.

Wie starb Juri Gagarin? Die Todesursache und der Flugzeugabsturz

Am 27. März 1968 starb Gagarin bei einem Flugzeugabsturz. Er war 34 Jahre alt. Er saß in einer MiG-15UTI, einem zweisitzigen Trainingsjet, zusammen mit seinem Fluglehrer Wladimir Serjogin. Die Maschine stürzte in der Nähe des Dorfes Nowosjolowo im Gebiet Wladimir ab. Beide Männer waren sofort tot.

Wie starb Juri Gagarin? Die Todesursache und der Flugzeugabsturz

Warum die Ursache so lange ungeklärt war

Jahrzehntelang gab es keine offizielle Erklärung, und das nährte Verschwörungstheorien — bis hin zu der Behauptung, der Staat habe ihn beseitigen lassen, weil er unbequem geworden sei. Für so eine Behauptung gibt es keinen Beleg. Was es gibt, sind mehrere ernstzunehmende Unfallhypothesen:

  • eine ausweichende Reaktion auf ein anderes Flugzeug oder einen Wetterballon in der Nähe
  • falsche Höhenangaben vom Bodenpersonal während des Flugs
  • ein unerwarteter Wirbelschleppen-Effekt
  • und, ganz unglamourös, ein möglicher Fehler in der Besatzung selbst

Was tatsächlich feststeht: Gagarins Leiche wurde nicht gefunden — es gab keine verwertbaren sterblichen Überreste im Wrack, was bei einem Aufprall dieser Wucht nicht ungewöhnlich ist. Später wurden an der Absturzstelle Bodenproben und winzige Knochenfragmente geborgen, die man den beiden Männern zuordnete. Die formelle Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass eine Kombination aus mehreren ungünstigen Faktoren die Katastrophe auslöste — nicht Sabotage, nicht Absicht.

Ehrlich gesagt: Eine eindeutige Antwort, die alle Fachleute überzeugt, gibt es bis heute nicht. Wer Ihnen eine einzige, absolut sichere Todesursache nennt, verkauft Ihnen eine Gewissheit, die die Aktenlage nicht hergibt.

Wer war der erste Mensch auf dem Mond?

Auch das gehört zu den Fragen, die ständig mit der Gagarin-Frage vermischt werden. Die Antwort lautet Neil Armstrong, am 20. Juli 1969, im Rahmen der Apollo-11-Mission. Etwa sechs Stunden nach der Landung der Mondfähre betrat er die Oberfläche, gefolgt von Buzz Aldrin. Michael Collins blieb währenddessen im Mutterschiff und umkreiste den Trabanten.

Wer war der erste Mensch auf dem Mond?

Interessant für unsere Ausgangsfrage: Armstrong war also der erste Mensch auf einem anderen Himmelskörper, aber nicht der erste im All. Gagarin war acht Jahre früher dran.

Begriff Person Datum Was genau zuerst geschah
Erster Mensch im Weltraum Juri Gagarin 12. April 1961 Einmalige Umrundung der Erde, 108 Minuten
Erster Amerikaner im Weltraum Alan Shepard 5. Mai 1961 Suborbitalflug, etwa 15 Minuten
Erste Frau im Weltraum Walentina Tereschkowa 16. Juni 1963 Fast drei Tage in der Umlaufbahn
Erster Mensch auf dem Mond Neil Armstrong 20. Juli 1969 Betrat die Mondoberfläche

Der erste Mensch auf der Erde: eine ganz andere Antwort

Und jetzt der Teil, den kaum jemand erwartet, wenn er diese Frage googelt. Wenn „erster Mensch auf der Welt" heißt „das erste Individuum unserer biologischen Art", dann gibt es keine befriedigende Einzelperson. Evolution liefert keine Zäsur, keinen Moment, in dem ein Affenkind plötzlich ein Mensch war.

Die ältesten Fossilien unserer Art: Marokko, vor rund 300.000 Jahren

Die ältesten heute bekannten Homo-sapiens-Fossilien stammen aus Jebel Irhoud in Marokko. Sie sind grob 300.000 Jahre alt. Bis zu dieser Entdeckung ging man von deutlich jüngeren Funden in Äthiopien aus — etwa denen von Omo Kibish. Die marokkanischen Knochen verschoben den Ursprung unserer Spezies um mehrere zehntausend Jahre nach hinten und, was geografisch spannend ist, in den Nordwesten Afrikas statt nur in den Osten. Die Vorstellung, dass Homo sapiens in einem einzigen Fleck Ostafrika entstand und von dort loswanderte, ist damit zu einfach.

Übrigens: Linien wie Homo erectus tauchten schon vor etwa 1,8 Millionen Jahren auf. Von denen zu uns führt keine gerade Linie, sondern ein Geflecht mit Seitenzweigen — darunter die Neandertaler, mit denen sich unsere Vorfahren nachweislich vermischt haben. Die meisten Menschen außerhalb Afrikas tragen ein paar Prozent Neandertaler-Erbgut in sich.

Kurz gesagt: „Der erste Mensch" ist keine Person. Es ist ein Zeitraum von Zehntausenden von Jahren, in dem sich eine Population langsam veränderte, bis wir sie rückblickend Homo sapiens nennen.

War Gagarin wenigstens der erste Lebende im All?

Nein, auch das nicht. Vor ihm waren bereits Hunde oben. Die wohl bekannteste ist Laika, die 1957 mit Sputnik 2 startete und die den Flug nicht überlebte. Weitere Hunde wie Belka und Strelka flogen 1960 und kehrten lebend zurück. Gagarin war also der erste Mensch im All — der erste lebende Organismus war er nicht.

Warum diese Frage überhaupt zwei Antworten hat

Die deutsche Sprache macht es uns nicht leicht. „Mensch" kann biologisch gemeint sein oder einfach „Person". Und „Welt" heißt mal der Planet, mal das Universum aus Sicht eines Raumfahrers. Aus dieser Doppeldeutigkeit entsteht die ganze Verwirrung.

Wenn Sie sich also das nächste Mal in einer Diskussion wiederfinden und jemand fragt, wer der erste Mensch auf der Welt war, dann haben Sie jetzt eine Antwort, die stimmt: Es kommt darauf an, was Sie meinen. Wenn es um den Weltraum geht, ist die Sache klar: Juri Gagarin. Wenn es um unsere Art geht, gibt es niemanden, auf den man mit dem Finger zeigen könnte, und genau das ist die eigentlich spannende Antwort.

Was mich daran bis heute beschäftigt: Wir kennen den Namen eines Mannes, der 108 Minuten lang die Erde verlassen hat, und wir kennen keinen einzigen Namen aus den vielen tausend Generationen, in denen wir Menschen wurden. Vielleicht sagt das mehr über uns aus als jeder Rekord.